Warum spielen wir keine Saison 2019/21?

10.04.2020

Wie fast überall liegen auch beim FC Blau-Weiß Leipzig die Bälle nur noch im Spint. Der Trainings- und Spielbetrieb ist aufgrund der Corona-Krise seit fast vier Wochen eingestellt. Ein Ende nicht in Sicht. Mit voranschreitender Zeit stellt sich hier ebenso wie überall die Frage: Wie geht´s weiter?

 

Bisher zeigen sich die hiesigen Fußballverbände bedeckt, schieben die Verantwortung auf die nächsthöhere Ebene oder wollen behördliche Entscheidungen abwarten. Keiner kann oder möchte sagen, wie es weitergeht. Selbst mögliche Varianten werden, wie bei anderen Landesverbänden, nicht zur Diskussion gestellt. Dabei sind die Optionen eigentlich überschaubar und könnten bereits in die Runde geworfen werden, um ein gewisses Stimmungsbild zu erhalten. Der folgende Beitrag diskutiert offen vier mögliche Szenarien, wie es weitergehen könnte. Sie gelten vor allem für die Landes- und Kreisfußballebene, also den originären Breitensport- bzw. Amateurbereich. Der Profibereich wird einen eigenen Weg gehen (müssen).

 

1. Saisonfortsetzung ab Mai mit Verlängerung bis zum Beginn der Sommerferien

An den verbliebenen Wochenenden müssten durchschnittlich zehn bis dreizehn Spiele durchgeführt werden, Wochenspiele sollten die absolute Ausnahme bleiben. Um kapazitäre Problemen zu begegnen, können nur noch die Ligen und Pokalspiele ab den D-Junioren fortgeführt werden, darunter wird, neben Volkssport und den Ü-Wettbewerben, der Spielbetrieb eingestellt. Der Trainingsvorlauf muss mindestens zwei, besser vier Wochen betragen. Es ist allerdings anzuzweifeln, dass der Wettbewerb unter fairen Bedingungen weitergeführt wird, da die Belastung und der logistische sowie zeitliche Aufwand immens sein würde. Gehen wir davon aus, dass bei einer sukzessiven Normalisierung der Gesamtsituation auf die aktiven Sportler*innen und Ehrenamtlichen viele andere Dinge außerhalb des Fußballs, insbesondere beruflich, zukommen. Viele Juniorenspieler werden zudem mit Schule und Prüfungen kaum in der Lage sein, eine einigermaßen seriöse Rückrunde zu spielen. Die Verletzungsgefahr wird aufgrund der Belastung signifikant und die Ansteckungsgefahr in einer noch kritischen Phase bedeutend erhöht. Und was passiert mit den Teams (und den möglichen Gegnern), bei denen Infektionen bzw. Verdachtsfälle auftreten?

 

Fazit: Die Fortsetzung des Spielbetriebes aufgrund der Gesamtsituation und unter sportlich fairen Bedingungen wird nicht möglich sein. Dieses Szenario ist unwahrscheinlich, so ehrlich sollte man den Vereinen gegenüber sein. Zudem besteht die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Virus in einer weiterhin kritischen Phase über den Spielbetrieb.

 

2. Teilabbruch der Saison

Der Trainings- und Spielbetrieb wird ab Juni/Juli wieder möglich sein und bis zu den Sommerferien verlängert. Die Ligen werden abgebrochen. Die Hinrundenmeister steigen auf. Zweitplatzierte und auf regulären Aufstiegsplätzen folgende Teams spielen Relegationsspiele gegen Teams, auf den Abstiegsplätzen der darüberliegenden Liga. Bei offenen Spielen in der Hinrunde entscheidet ein Punktequotient (Punkte/Spiele). Der Pokal wird bei Aufnahme des Spielbetriebes ab Juni ausgespielt, ansonsten gestrichen (die Teilnehmer erhalten in diesem Fall ein Freilos für die ersten Runde in der neuen Saison). Ligen müssen ggf. zur neunen Saison aufgestockt werden. Der Spielbetrieb unterhalb der D-Junioren wird eingestellt, ggf. auch im Volkssport- und Ü-Bereich. Teams ohne Pflichtspiele dürfen Testspiele bzw. Turniere bestreiten, wenn die Corona-Lage es ermöglicht.

 

Fazit: Ein gewisser sportlicher Wert bleibt für die Saison 2019/20 damit erhalten, die Arbeit war nicht für umsonst, sportlich erfolgreiche Leistungen werden, im Gegensatz zu schwachen, gewürdigt. Corona-bedingte Ausfälle werden bei dieser Variante statistisch reduziert, mögliche Infektionen über Teamgrenzen hinaus minimiert. Dieses Szenario ist wahrscheinlicher als Szenario 1, da noch vier bis acht Wochen mehr Zeit verbleiben.

 

3. Abbruch der Saison

Die gesamte Saison wird abgebrochen, da ein Trainings- bzw. Spielbetrieb nicht mehr möglich ist. Nun könnten alle Ergebnisse der Saison 2019/20 annulliert werden, was sicher die technisch einfachste Variante für die Verbände wäre. Dies bevorteilt allerdings schwache gegenüber starken Saisonleistungen. Deutliche Tabellenführer werden benachteiligt, schwache Tabellenletzte bevorteilt. Dies kann nicht im Sinne eines sportlich fairen Wettbewerbs sein und würde zu Ernüchterung sowie Widerstand führen. Daher müssen zumindest die Hinrundenmeister aufsteigen und die Ligen ggf. aufgestockt bzw. geteilt werden.

 

Fazit: Dieses Szenario ist wahrscheinlich. Ein stark eingeschränkter sportlicher Wert der Saison 2019/20 bleibt erhalten. Zudem sollten Möglichkeiten geprüft werden, dass z.B. Zweitplatzierte auch für höhere Ligen melden dürfen (Vorschlag: grundsätzliche Aufstockung der Ligen – bei Bedarf – auf 14 Teams im Juniorenbereich und auf 18 Teams im Seniorenbereich, ggf. Ligenteilung, Rückführung zur Saison 2021/22).

 

4. Spielen einer Saison 2019/21

Die Saison 2020/21 wird gestrichen und die Saison 2019/20 als Saison 2019/21 bis zum 30.06.2021 ausgespielt. Im Juniorenbereich werden die Jahrgänge um ein Jahr aufgeschoben (Verkürzung um ein Jahr im Folgejahr). Dieses Szenario tritt ein, wenn sich die Maßnahmen infolge der Corona-Situation bis in den Herbst 2020 verlängert, wovon aktuell auszugehen ist. Die Teams fangen sukzessive im Laufe des 3./4. Quartals 2020 wieder mit Training an, welches unter scharfen Hygiene-Auflagen stattfindet. Die Saison wird dann ab März 2021 regulär fortgesetzt. Ggf. werden Vorbereitungsturniere gespielt, um langsam wieder in den Wettbewerbsmodus zu kommen und die Spieler*innen zu motivieren.

 

Sollte sich die Lage bereits im Sommer entspannen und ein regulärer Trainings- sowie Spielbetrieb ab September möglich sein, bleiben alle bisherigen Ergenisse und Ligen erhalten, die Rückrunde 2019/20 wird zu ende gespielt und im ersten Halbjahr 2021 erfolgt eine dritte Runde.

 

Fazit: Realistische alternative Variante zu 3. unter Beibehaltung des sportlichen Wertes der suspendierten Saison 2019/20. Zudem besteht ausreichend Spielraum, auf die Corona-Lage flexibel zu reagieren und die Vereine sowie Teams/Aktive erhalten eine gangbare Perspektive.

 

Ziel der Maßnahmen muss insgesamt sein, eine sportlich faire Lösung für möglichst alle Teams zu finden und – vor allem – müssen die Vereine eine Planungsperspektive erhalten. Das bisher sportlich erreichte darf nicht annulliert werden, da es so zu wettbewerbsbenachteiligenden Folgen kommen kann, z.B. zum "Flaschenhalseffekt" oder zum "Unterforderungseffekt" für besonders gute Teams bei einer möglichen Verhinderung von Aufstiegsrechten. Wichtig wird aber vor allem sein, dass der Trainingsbetrieb - unter strengen Auflagen - wieder gestattet wird, damit ein sozialer Austausch möglich ist. Dies ist vor allem im Juniorenbereich psychologisch sehr wichtig.

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