Der schwerste Gegner sind wir selbst! U19-Halbzeitbilanz

23.12.2019

Die etwas andere Weihnachtsgeschichte schreiben die U19-Junioren des FC Blau-Weiß, das normale unnormale Team der Stadtliga Leipzig. Die Mannschaft überwintert auf Platz zwei.
 

Nach der enttäuschenden letzten Saison, in der die Shehabi-Elf nur Platz acht in der Stadtliga Leipzig belegte und im Pokalhalbfinale in der Schlussminute unglücklich am späteren Meister Markkleeberg scheiterte, wurde alles hinterfragt. Eine intensive Vorbereitung mit zahlreichen Testspielen und ein Trainingslager vor der neuen Saison sollten Abhilfe schaffen. Doch der Start in die Saison misslang.
Zunächst gab es eine 0:1-Niederlage im Sachsenpokal gegen Borna durch einen zweifelhaften Elfmeter. Nach zwei Siegen in der Liga (Zwenkau, Mölkau) und einem 6:0-Sieg in der Ausscheidungsrunde des Leipziger Cup in Miltitz folgten zwei unglückliche Unentschieden in Schkeuditz und bei LVB. Schlecht lief es dann gegen den Klassenprimus Engelsdorf. Das fußballerisch erfahrenere und physisch stärkere Team nutzte die eigenen Unzulänglichkeiten radikal aus und gewann verdient, aber viel zu hoch, mit 7:3 – es sollte die einzige Saisonniederlage der U19 in der Hinrunde bleiben. Alles sah bis dahin nach einem ähnlichen Saisonverlauf wie 2018/19 aus, als viel Aufwand und kaum Erfolg zu Buche standen. Das Trainergespann war ratlos. Es entschied sich zu radikaleren Maßnahmen.


Die Trainer trennten sich sofort von drei Stammspielern, verhängten weitere Disziplinarmaßnahmen und strukturierten den Kader um. Die offensive Spielweise im 4:3:3 wurde beibehalten und modifiziert. Es gab viele Einzel- und Gruppengespräche. Die Maßnahmen fruchteten. Es folgten sechs Siege in Serie, darunter auch ein dramatischer Pokalerfolg bei Spitzenreiter Engelsdorf, der gezeigt hat, dass das Team in der Lage ist, bis an die Schmerzgrenze zu gehen. Völlig ausgelaugt und ersatzgeschwächt schlossen die U19-Junioren die Saison ein paar Tage später – trotz zahlreicher Chancen und eines verschossenen Elfmeters – mit einem ärgerlichen 2:2 gegen Angstgegner Inter Leipzig ab. Nach elf Spieltagen steht das Team auf Platz zwei in der Stadtliga Leipzig, einen Punkt hinter Engelsdorf, die aber noch ein Nachholespiel haben.


Cheftrainer Alaa Shehabi zeigt sich mit der Leistung in der Hinrunde weitestgehend zufrieden: „Wir haben unnötig Punkte liegengelassen, nach der Niederlage gegen Engelsdorf ging aber ein Ruck durch die Mannschaft. Wir sind vom Team überzeugt, es ist aber ein täglicher Kampf, die Jungs zu 100% auf die fußballerischen Herausforderungen zu fokussieren.“ Bei den U19-Junioren spielen aktuell Kicker aus neun Nationen. Von den 24 Kaderspielern haben 18 einen unmittelbaren Fluchthintergrund, viele davon sind ohne Eltern in Deutschland. „Wir stehen vor wesentlich anderen Herausforderungen als unsere Gegner in der Liga. Es geht bei vielen um das reine Überleben und die Angst vor Abschiebungen ist allgegenwärtig. Dies belastet kontinuierlich Spieler, Team und Trainer. Dass wir dennoch als weitestgehend normales Team wahrgenommen werden, ist Ergebnis einer konsequenten und unprätentiösen Arbeit. Wir verstehen uns aber nicht als Flüchtlingsmannschaft. Wir sind die U19-Junioren des FC Blau-Weiß, nicht mehr und nicht weniger!“, so Teammanager Philipp Bludovsky.


Das Team steht zudem vor großen sportlichen Herausforderungen. So wechseln etwa zwei Drittel der Spieler in der neuen Saison in den Herrenbereich. Die Leistungsanforderungen dort sind sehr hoch. Ein Großteil der U19-Kicker ist jedoch erst kurze Zeit im organisierten Fußball aktiv. „Eigentlich sind wir vom Ausbildungsstand maximal eine U15-Mannschaft, müssen zum Teil Trainingsinhalte aus dem Kinderbereich vermitteln. Da sind fast alle anderen Liga-Teams weiter. Insofern ist Platz zwei schon ein tolles Ergebnis, die Meisterschaft wäre sicher ein Traum. Wir müssen aber realistisch bleiben“, meint Cheftrainer Alaa Shehabi, der bereits in der ersten syrischen Liga spielte und dortiger Juniorenlandesmeister als Trainer gewesen ist.


In den letzten Monaten ist das heterogene Team enger zusammengewachsen, es haben sich Freundschaften gebildet, es gelingt, gemeinsam Probleme zu lösen, seien es Ausbildungsplatz- oder Wohnungssuche, Aufenthaltsangelegenheiten oder der ganz normale Wahnsinn, den Jugendliche in diesem Alter umhertreibt. „Das soziale Engagement, die charakterliche und sportliche Entwicklung unserer Spieler stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Gemeinsame Ziele fokussieren und blenden die Probleme des Alltags zumindest kurzzeitig aus. Unser schwerster Gegner sind wir selbst“, so Bludovsky.


Nach der Winterpause stehen für die U19-Junioren fünf Hallenturniere an. Höhepunkte sind die Stadthallenmeisterschaft sowie der vereinseigene WKR-Hallencup. Hinzu kommen noch zwei Testspiele, u. a. auf dem neuen Kunstrasen in Taucha beim dortigen Landesklassisten. Die Rückrunde beginnt Ende Februar mit dem schweren Spiel beim SV Leipzig-Thekla. Dann wird man auch sehen, ob das Team in der Lage sein wird, am Spitzenreiter Engelsdorf dranzubleiben.

 

 

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